Nehmen wir einmal an, jede Bewegung eines Menschen innerhalb seiner Wohnung oder seiner Stadt würde aufgezeichnet und protokolliert, ohne dass er sich zuvor eines Verbrechens schuldig gemacht zu haben scheint. Die Begründung für diese Überwachung wäre folgende: man müsse die Wege die dieser Mensch zurückgelegt und die Dinge die er getan hat protokollieren, um nachdem er oder sie eventuell etwas unrechtes begehen würde, beweisen zu können, wann, wo und wie er es getan hat, wie er dazu kam, mit wem er sich traf und unterhielt.Überwachungsstaat!, ist der erste Gedanke der mir nun durch den Kopf geht, aber sowas lässt sich ja garnicht umsetzen?!
Mal abgesehen davon, dass es einen unglaublichen Verwaltungsaufwand nach sich ziehen würde und die gesamte deutsche Bevölkerung sich dies nicht gefallen lassen würde, ist das in keinster Weise umsetzbar.
Falsch gedacht, es wurde bereits umgesetzt. Im Internet.
Der Aufwand der sich im wahren Leben nicht umsetzen lässt, ohne die Skepsis unbescholtener Bürger nach sich zu ziehen, wird für die digitale Welt auf die Provider abgewälzt, die mit mittelmäßigem technischen Aufwand jeden Klick eines Users protokollieren können.
Warum darf man sowas im Internet und nicht auf der Straße? Gibt es im Internet keine Grundrechte? Warum gilt für den Emailverkehr nicht dasselbe Briefgeheimnis wie für den Briefverkehr?
Die Antwort ist simpel: weil es im Zeitalter des digitalen Kopierens umsetzbar ist! Es geht, also machen wir's. Und wäre es draussen auf der Straße auch so einfach, wäre es auch dort schon längst an der Tagesordnung.
Man kann nicht jeden Brief öffnen und lesen/überprüfen bevor er versendet wird, nachträglich hat man keinen Zugriff darauf. Aber man kann jedes digital versandte Datenfitzel speichern und nacherfassen, man kann alles festhalten über Monate und Jahre hinweg.
Die Konzerne und Politiker stören sich öffentlich an Raubkopierern, aber hinterrücks werden dieselben Systeme genutzt um den Bürger zu überwachen.
Diese Stasi 2.0-Methoden werden nicht einmal öffentlich diskutiert, weil sich die meisten Menschen die politisch aktiv sind, weder mit dem Medium Internet (weiter als über das Emailschreiben hinaus) auseinandersetzen, noch überhaupt verstehen wie die Technik dahinter funktioniert.
Internetpolitik ist derzeit keine Politik für den Bürger, sondern für die Konzerne, die mit den verzwickten Urheberrechten für jeden Furz was verdienen wollen und das nicht nur für ein Produkt, sondern besser noch für jede einzelne Nutzung dieses Produktes, Stichworte DRM, Abmahnwahn usw. Die Autoren selbst wurden schon größtenteils entmündigt und verdienen selbst nicht mehr viel an eigenen Werken.
Und die Politik, die großes Geld an den Firmen verdient, versteht nicht einmal, dass sie damit den Bürgern dafür in den Arsch tritt und wundert sich hinterher, warum sie niemand mehr wählen mag.
Wir brauchen Politiker die sich nicht mit dem Pseudo-Argument "Denkt doch einer mal an die Kinder" ködern lassen und unter dem Deckmantel "Schutz vor Kinderpornographie" alles unterschreiben würden.
Wir brauchen Politiker, die Dinge kritisch hinterfragen, auch wenn sie riskieren, sich dem Unmut gewisser Lobbies und Stammwähler auszusetzen.
Wir brauchen Politiker die verstehen wovon sie reden, wenn sie großmäulig Reformen fordern. Keine Schulversager, die ihre Lebensläufe schönigen, nur in der Politik tätig sind, weil sie sonst nichts zustande brachten und nicht viel mehr können als große Reden zu schwingen.
Wir brauchen im Internet dieselben Freiheiten und Pflichten, wie sie auch vor unserer Haustür gelten. Das Internet darf kein bürgerrechtsfreier Raum sein!
Bildquelle: http://www.raw.at/galerie/images/comix/ueberwachung.gif




